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31.03.10: Templeton-Preis 2010 an Ayala
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Am 25. März wurde das Geheimnis gelüftet: Den diesjährigen Templeton-Preis erhält Francisco J. Ayala, ein Evolutionsgenetiker und Molekularbiologe für sein "energisches Eintreten gegen die Vermischung von Wissenschaft und Religion und für den gegenseitigen Respekt zwischen beiden". Die Bekanntgabe des Preises wurde in der amerikanischen National Academy of Sciences zelebriert und ist zum Nacherleben bestens dokumentiert. Die unten zusammen gestellte Reaktion der Presse reichte von positiver Würdigung bis zu harter Kritik von naturalistischer Seite. Wen wunderts?
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Ayalas Grundeinstellung
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Wie in der Dankesrede deutlich wurde, sind für Ayala Wissenschaft und Glaube keine Gegensätze, sondern zwei unterschiedliche Zugangsweisen zur Welt, die man sauber auseinander zu halten habe. Ein Zeitungsbericht titelt daher nicht unzutreffend mit "Science-Faith Separator". Dies erinnert an das NOMA-Prinzip Stephen Jay Goulds (Non-overlapping magisteria, Nicht-überlappende Reiche). Zu Konflikten komme es nur bei illegitimen Grenzüberschreitungen - beider Seiten, versteht sich. Wie in seiner Publikation "Darwin's Gift" wirft Ayala der einen Seite, sprich Dawkins, einen Kategorienfehler vor, wenn dieser alles Wissen außerhalb der Grenzen der Wissenschaft als minderwertig oder verdächtig ansehe. Eine wissenschaftliche Weltsicht sei "hoffnungslos unvollständig", da sie Wert- und Sinnfragen gar nicht umfassen könne. Ayala attackiert gleichermaßen die andere Seite, das Intelligent Design (ID) - in wissenschaftlicher, aber auch theologischer Hinsicht: Die Übel der Natur ließen sich gut evolutiv, aber schlecht mit einem intelligenten Designer begründen.
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Kritische Stimmen
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Dass Richard Dawkins kein Freund des Dialogs mit der Theologie, kein Freund der Interdisziplinarität und damit der Templeton-Stiftung ist, kann man sich denken und weiß man spätestens seit Dawkins "Gotteswahn". Zwei Tage vor Bekanntgabe des Preises postete er auf seiner Homepage: "Schande für die National Academy" und beklagt sich über deren Kooperation mit der Templeton-Stiftung. "Das ist genau das, wonach Templeton unablässig angelt: Anerkennung unter echten Wissenschaftlern. Und sie setzen ihr Geld schamlos ein für die totgeweihten Gelüste nach wissenschaftlicher Anerkennung".
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Erstaunlich zurückhaltend äußerte sich PZ Myers, der sonst seine naturalistischen Keulen nur allzu gern gegen Religiöses schwingt. Francisco Ayala sei "politisch eine brillante Wahl", schließlich sei Ayala ein "exzellenter und angesehener Wissenschaftler". Offenbar habe die Stiftung jemanden gesucht, der seinen Ruf als Wissenschaftler, nicht als Apologet erworben hat. "Das ist eine schlaue Bande, diese Schlingel - sie haben offensichtliche Angriffsflächen vermieden und sich jemanden herausgepickt, dem gar nicht so leicht zu trotzen ist".
Einer von Myers Gefolgsleuten konnte es dann aber doch nicht lassen und hat flugs den Wikipedia-Artikel über Ayala manipuliert - mit den stolzen Worten "I have updated the Wikipedia article appropriately". Ein Blick in die Historie des Ayala-Artikels zeigt, was bei dem "passenden Update" herausgekommen ist:
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Die Aussage, Ayala sei "wegen seines ständigen Strebens, glaubensbasierte Mythologie in das wissenschaftliche Weltbild hineinzubugsieren" geehrt worden, verkehrt natürlich Ayalas separierende Einstellung böswillig ins Gegenteil (siehe oben). Ein Trost: Das "passende Update" ist inzwischen korrigiert worden. Hoffentlich nachhaltig.
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Pressereaktionen
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 | 2010/08/05: The Evils of Evolution - Big Questions Online | | Der ehemalige anglikanische Priester Mark Vernon stellt die Frage: "Wie kann ein guter Gott die Grausamkeiten der natürlichen Selektion zulassen?". Auch wenn die sog. Theodizeefrage nicht neu für Gläubige sei, so intensiviere die Evolution mit Leiden, Verschwendung und Auslöschung das Problem allein aufgrund des Ausmaßes. Die Verteidigung des Templeton-Preisträgers F. Ayala, der Gott ganz aus der Verantwortung entlasse, geht für Vernon nicht auf. Ausführlicher würdigt er John Polkinghorne, für den Freiheit nur möglich ist durch die Verflechtung von Ordnung und Unordnung. Dies sei nicht die beste aller möglichen Welten, sondern eine, die der Erlösung durch Gottes eigenes Leiden bedürfe. Ob man diese Antwort überzeugend finde, läge am eigenen Glauben. Das Problem des Übels sei durch rationales Kalkül nicht aufzulösen. Schon der biblische Hiob bekam zu spüren, dass einfache Antworten überhaupt keine Antworten sind. hhp
|  | 2010/05/04: Ursprung des Guten: Die Moral als Nebenprodukt der Evolution - SPIEGEL ONLINE | | Wertevorstellungen von Menschen ähneln sich - können sich aber auch unterscheiden. Die Frage ist: Woher kommt die Moral? Francisco Ayala erklärt die Moral zu einem eher zufälligen Nebenprodukt der Evolution. Mit seiner These widerspricht der Evolutionsbiologe aus Irvine vielen Kollegen, die die Entstehung der Moral direkt mit der Evolution erklären. Der informative Artikel verweist auf weitere thematisch benachbarte Artikel und bietet einen guten Einstieg ins Thema. - al
|  | 2010/03/23: 'Shame on the National Academy' by Richard Dawkins - RichardDawkins.net | | In diesem kurzen Artikel kritisiert Dawkins die amerikanische National Academy of Sciences (NAS) wegen ihrer Zusammenarbeit mit der Templeton-Stiftung, die in den Räumen der NAS den diesjährigen Templeton-Preisträger zelebriert. Dies bereite der Akademie Schande, und es sei typisch für Templeton, "ihr Geld schamlos für die totgeweihten Gelüste nach wissenschaftlicher Anerkennung" einzusetzen. hhp
|  | 2010/03/26: Winner of £1m Templeton prize attacks ?fundamentalism? of Dawkins - Times Online | | Titel und Inhalt des Times-Artikels suggerieren, dass Francisco Ayala, der diesjährige Templeton-Preisträger, bei seiner gestrigen Dankesrede den Schwerpunkt auf die Kritik an Richard Dawkins gelegt habe. Meiner Erinnerung nach kam Dawkins in dieser Ausdrücklichkeit und Ausführlichkeit nicht vor. Dass Ayala Dawkins kritisiert, sei freilich nicht in Abrede gestellt, und so erweist sich auch der vorliegende Artikel als informativ. Zudem greift er den vor einigen Tagen platzierten Angriff Dawkins auf die amerikanische National Academy of Sciences auf, in deren Räumen die Preiszuerkennung statt fand. Dadurch - so Dawkins - habe sie sich selbst Schande bereitet, und es sei typisch für Templeton, "ihr Geld schamlos für die totgeweihten Gelüste nach wissenschaftlicher Anerkennung" einzusetzen. Fairerweise erwähnt der Artikel auch die Abgrenzung Ayalas vom gegenteiligen Extrem, der Intelligent Design Bewegung. hhp
|  | 2010/03/26: Templeton Prize goes to genetic researcher - Philadelphia Inquirer | | Der Artikel bringt zusätzlich zu den "hard facts" der Preisverleihung an Francisco Ayala noch interessante biografische Notizen. So begann Ayalas interdisziplinäre Karriere in den 60ern mit der Überraschung, dass Darwins Evolutionstheorie in den USA weniger akzeptiert zu sein schien als in Ayalas heimischen Spanien, damal ein zutiefst konservatives und religiöses Land. hhp
|  | 2010/03/25: Francisco Ayala wins the Templeton Prize - beliefnet | | Rod Dreher, Öffentlichkeitsarbeiter bei Templeton, berichtet ausführlich über die Preiszusage an F. Ayala, dessen Rede in Auszügen wiedergegeben wird. Ayalas Grundeinstellung wird dabei deutlich: Wissenschaft und Glaube sind keine Gegensätze, sondern zwei unterschiedliche Zugangsweisen zur Welt. Zu Konflikten komme es nur bei illegitimen Grenzüberschreitungen. In seiner Publikation "Darwin's Gift" wirft Ayala Dawkins einen Kategorienfehler vor, wenn dieser alles Wissen außerhalb der Grenzen der Wissenschaft als minderwertig oder verdächtig ansehe. Eine wissenschaftliche Weltsicht sei "hoffnungslos unvollständig", da sie Wert- und Sinnfragen gar nicht umfassen könne. Das Buch attackiert gleichermaßen Intelligent Design (ID), in wissenschaftlicher, aber auch theologischer Hinsicht. Dreher vermutet, dass die Dawkins- und ID-Vertreter mit der Preisvergabe nicht glücklich sein werden; Reaktionen von dort will er in seinen Blog aufnehmen. Also: Erneut vorbeischauen. hhp
|  | 2010/03/25: US Geneticist Wins $1.5 Million Religion Prize - New York Times | | Steve Coleman weist eigens darauf hin, dass der Geldwert des Templeton Preises regelmäßig angehoben werde, um den Nobelpreis zu toppen. Der diesjährige Empfänger, Francisco Ayala, sagte der Zeitung: "Ich sehe Religion und Wissenschaft als zwei der Pfeiler, auf denen die amerikanische Gesellschaft ruht". Coleman hält die Wahl Ayalas für bemerkenswert, weil sich dieser gegen die Vermischung von Wissenschaft und Religion wehrt: "Die Bibel ist kein wissenschaftliches Lehrbuch", so Ayala. Dagegen gebe Religion den Menschen Hoffnung und Sinn, was wiederum jenseits der Wissenschaft liege. hhp
|  | 2010/03/25: Biologist Wins Templeton Prize - New York Times | | Der kurze Beitrag stellt als Kern-These Ayalas heraus, dass sich die Reiche von Religion und Wissenschaft nicht vermischen dürfen. Beispiele für solche Vermischungen seien gegeben, wenn Wissenschaftler folgern, es gäbe keinen Gott, oder wenn Kreationisten übernatürliche Interventionen zur Erklärung evolutionären Wandels einführten. Ayalas "Darwin's Gift" beschreibe die Evolutionstheorie als Hilfe, die Koexistenz von Übeln und einem guten und allmächtigen Gott zu erklären. hhp
|  | 2010/03/25: Former priest wins £1m Templeton prize - Guardian | | Schon die Unterzeile markiert die Tendenz des Artikels: Kritiker seien verärgert, dass die Preiszeremonie in den Räumen der National Academy of Sciences (NAS) der Templeton-Stiftung wissenschaftliche Seriosität verleihe. Eine Zeile später wird der Preis als "kontrovers" bezeichnet. Der Britische Nobelpreisträger Harry Kroto habe sich beim Präsidenten der NAS beschwert: Er und andere Wissenschaftler seien "sehr verstört" über die Mitwirkung der NAS bei der Templeton-Stiftung. hhp
|  | 2010/03/25: Hoch dotierter Templeton-Preis an Ayala - Bieler Tagblatt | | Als meines Wissens erste deutschsprachige Zeitung berichtet das Bieler Tagblatt von der gestrigen Verleihung des Templeton Preises 2010 an den Genetiker und Evolutionsbiologen Francisco J. Ayala. Der Preis sei ihm zuerkannt worden, weil er "energisch gegen die Entzweiung von Wissenschaft und Religion kämpft". Gleichzeitig distanziere sich Ayala auch von Kreationismus und Intelligent Design (ID). Die Grausamkeiten der Natur ließen sich nach Ayala nicht mit einer intelligenten Schöpung vereinbaren. Dieses Argument gegen ID wurde gestern in der Tat so von Ayala vorgetragen, dürfte den Kreationismus aber nur bedingt treffen. Der geht ja davon aus, dass die "intelligente Schöpfung" nachträglich durch den Sündenfall des Menschen pervertiert wurde, wodurch die Übel in die Welt kamen. hhp
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